Sonntag, 1. November 2009

Belfast

Diese Woche waren hier in Irland Oktoberferien. Die ersten Tage habe ich zum Ausschlafen, Aufräumen etc. genutzt und am Mittwoch bin ich mit Jenny (wir studieren zusammen in Heidelberg und sie ist momentan auch als Fremdsprachenassistentin in Irland) nach Belfast gefahren, um dort die gute Lena (studiert auch mit uns und ist Assistant Teacher in Nordirland) zu besuchen.

Kaum hatten wir die Grenze überquert, fühlten wir uns wirklich wie im Ausland, obwohl es ja immer noch die gleiche kleine Insel war. Aber mit einem Mal war alles viel britischer. Andere Geschäfte, andere Kennzeichen, Police (statt Garda) etc. Nach 2 Stunden erreichten wir Belfast und wurden von Lena am Buszentrum empfangen. Den ersten Abend verbrachten wir natürlich in einem Pub und stellten fest, dass Guinness in der Republik besser schmeckt. Beim Pub-Quiz konnten wir nur die Frage mit den Teletubbies mit Sicherheit beantworten - lustig, was man in Belfast unter "Allgemeinbildung" versteht...

Am nächsten Tag stand Belfast erkunden auf dem Plan. Wir sahen die Uni, die City Hall, das Belfast Wheel, den Big Fish, die Friedens-/Hoffnungsstatue, die H&M-Kräne (die Werft, die die Titanic gebaut hat), einige Murals (politische Gemälde auf Häuserwänden), die Peacewall und noch Vieles mehr. Abends waren wir so platt, dass wir nur noch "Asterix bei den Wikingern" geguckt haben. Aber wir hatten dennoch sehr viel Spaß ("You don't have hair on your chest!").



Am nächsten Morgen sind Jenny und ich früh zu einer Tagestour mit dem Paddywagon aufgebrochen. Dort haben wir Carrick-a-Rede, the Giant's Causeway und Derry besichtigt. In Carrick-a-Rede hat man früher sehr erfolgreich Lachs gefangen. Um die Fische, die um eine sehr kleine Insel im Meer herum schwammen, fangen zu können, hat man eine Seilbrücke errichtet. Sie hängt in 30 Metern Höhe und ist 20 Meter lang. Das hört sich eigentlich nicht so spektakulär an, aber wenn du da auf dem wackeligen Ding stehst und der Seewind dich und das Seilkonstrukt durchschüttelt...



Die nächste Station war der Giant's Causeway. Der Legende nach hat Fionn mac Cumhaill die Steine so aufgestellt, damit er trockenen Fußes nach Schottland gelangen kann. Der Causeway ist schon sehr faszinierend. Leider hat es ziemlich geregnet und so war es recht schwierig, auf den Steinen herumzuklettern ("Ireland's greatest playground"), ohne auszurutschen.



Kurz nachdem wir wieder im Bus saßen, fuhren wir an Dunluce Castle vorbei. Der Busfahrer fragte, ob jemand ein Foto machen wolle, einige meldeten sich und so hielt er mitten auf der Straße an! Irland...



Den letzten Halt machten wir in Derry. Selbst in Belfast spürt man noch eine gewisse Bedrücktheit, die Nachwehen der Troubles. Aber in Derry ist diese Atmosphäre total krass. Man merkt, dass noch nicht lange Frieden ist. Trauer, Hass und Krieg hängen in der Luft. Wir haben eine Stadtführung mitgemacht. Was uns der Mensch gezeigt und erzählt hat, hat diesen Eindruck noch intensiviert. Er stammt aus Derry, kannte viele der Opfer persönlich, deren Gesichter auf Murals verewigt sind. Der Name jedes einzelnen Opfers, deren Geschichte, deren Todesort ist wohl jedem Einwohner bekannt. Mich hat das schon ziemlich mitgenommen, aber ich fand die Führung dennoch zu kurz. Ich hätte gern mehr erfahren.

Als unser Busfahrer uns in Belfast abgesetzt hat, bedankten wir uns - natürlich mit "Thanks a million", wie man das hier halt so macht. Die Antwort: "You have definitively been too long in Ireland, girls!" :)
Abends haben wir lecker Lasagne (Lasuppagne) gekocht und sind mit ein paar anderen Assistants in the Crown (der bekannteste Pub Belfasts) und später in Kelly's Cellar (der ehemalige Treffpunkt der IRA-Elite). Ich war geschockt, als die Mädels mir sagten, dass viele Pubs schon um 1 Uhr dicht machen. Sowas gibt's in der Republik nicht ;) Auch dieser Abend war sehr lustig.

Am Samstag ist meine Juliette nachgekommen. Nachdem wir sie und noch zwei weitere Assistants, die schon am Vorabend mit im Pub waren, aufgesammelt hatten, haben wir uns auf den Weg nach Carrickfergus gemacht. Die Stadt ist nicht nur wegen des gleichnamigen Liedes (ja, mir fällt zu fast jeder irischen Stadt ein Lied ein...) bekannt, sondern auch für sein Schloss, das noch sehr gut erhalten ist. Da Halloween war, war noch sehr viel mehr los als sonst, allerdings hauptsächlich für Kinder. Alles war dekoriert, jeder (außer uns) war verkleidet, dort waren Musiker, eine Zaubershow, Kinderschminken etc. Das Schloss ist echt beeindruckend und das Wetter war wieder gut; als wir im Bus dorthin saßen, hat es noch geschüttet wie aus Eimern.



Juliette und ich auf dem höchsten Turm...




Zurück bei Lena haben wir Käse"spätzle" (noch was, das es hier nicht gibt...) gemacht und uns in unsere "Kostüme" geschmissen. Buh!



Nachdem wir noch ein bisschen bei Lena gefeiert haben, sind wir auf die Hausparty einer anderen Assistentin gegangen. Da wurde ich von einem Nordiren schon wieder für eine Irin gehalten ("Oh, you're from the South?" Lila: "Well... I live there." So langsam gewöhnt frau sich den irischen Akzent halt schon an...). Später waren wir noch in einem Pub und ganz später noch mal auf besagter Hausparty. War sehr nett; schade war nur, dass es Juliette an dem Abend nicht gut ging und sie deshalb nicht mit konnte, obwohl sie extra für Halloween nach Belfast gekommen war.

Ja, und jetzt ist Sonntag Abend und ich bin wieder in Balbriggan. Der Heimweg war mal wieder sehr kalt und nass. Aber wenigstens hab ich inzwischen wasserdichte Schuhe. War echt kein Spaß mehr.
Morgen hab ich wie jeden Montag frei und das kommt mir gerade recht. So muss ich jetzt nicht noch Unterricht vorbereiten. Eigentlich könnte ich noch so eine Woche Ferien vertragen...

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